Es kommt mir so grausam vor ihm dabei zuzuschauen, wie er langsam immer mehr entschwindet. Aber ich versuche mich zu beherrschen und das Ergebnis des Bluttests heute abzuwarten. Wenn ich auch auf irgendein Wunder hoffe, so weiss ich doch, dass es sehr unwahrscheinlich ist.
Er trinkt noch, Futter nimmt er keines. Wir haben ihn auch schon zwangsgefüttert, aber er regt sich zu sehr auf, der TA rät davon ab. Aber es tut weh ihm beim langsamen Verhungern zuschauen zu müssen und jeden Tag die Angst ihn nicht mehr lebend, in irgendeiner Ecke, vorzufinden.
Ich frage mich ob ich ihn vielleicht heute noch nach dem Ergebnis des Bluttests einschläfern lassen soll, oder ob ich wirklich warten soll bis Samstag. Herr Happy würde natürlich gerne dabei sein, bei seinem letzten Gang, aber kann ich es verantworten so lange zu warten, nur damit wir uns besser fühlen? Was ist mit ihm?
Und wie grausam ist es ihm auf seinem letzten Gang noch den Stress des Tierarztbesuchs zuzumuten. Wäre es besser ihn zuhause einschläfern zu lassen? Kann und darf der Tierarzt das überhaupt? Wäre es vielleicht besser für ihn? Fragen über Fragen, Zweifel und Ängste.
Am Liebsten würde ich ihn den ganzen Tag im Arm halten und streicheln, ihn neben mir auf dem Sofa haben, aber er möchte das gar nicht. Er will alleine auf seinem selbstgewählten Platz sein. Das muss ich respektieren. Nur manchmal gehe ich zu ihm hin und streichle ihn und erzähle ihm etwas. Für kurze Augenblicke scheint er es zu geniessen, dann will er wieder allein gelassen werden.
Ich komme mir kalt und grausam vor ihn alleine zu lassen, aber ich will ihn auch nicht aufregen. Es ist eine Gratwanderung. Und egal was ich mache, irgendein Zweifel, ob ich etwas hätte anders machen sollen, wird mich immer quälen.
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